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Altenheim

Altenheim

Dokumentarfilm von Wolfram Seeger

Alte Menschen sind dank der demographischen Entwicklung in der Bundesrepublik nicht länger eine gesellschaftliche Randgruppe. Fast jeder dritte Bundesbürger ist 65 Jahre und älter, Tendenz steigend. 660.000 von ihnen sind in den über 8.000 Alteneinrichtungen untergebracht, deren Träger Kirchen, Wohlfahrtsverbände, Kommunen, Stiftungen und Privatunternehmen sind. Der Preis für einen Heimplatz in der höchsten Pflegestufe liegt bei 6.000 DM. Die Pflegeversicherung übernimmt die Kosten bis maximal 2.800 DM. Der überwiegende Teil der Heimbewohner ist auf Sozialhilfe angewiesen.

Altenpflegeheim, das bedeutet bei der Aufnahme einen radikalen Bruch mit der bisherigen Lebenssituation. Anders als noch vor einigen Jahrzehnten läßt sich kaum jemand freiwillig auf ein Heim ein. Den klassischen Heimbewohner, der sich, nicht mehr ganz rüstig, im Alter von 70 Jahre dafür entscheidet, den Rest seines Lebens im Heim zu verbringen, gibt es praktisch nicht mehr.

Heute sind die alten Menschen schon bei der Aufnahme deutlich über 80. Mit wenigen Ausnahmen sind sie schwer pflegebedürftig und haben unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen kaum eine Alternative zum Heim. Im Durchschnitt sind die Bewohner 81 Jahre alt, 80 % sind Frauen, fast 90 % sind verwitwet oder ledig. Sie leben vier bis fünf Jahre im Heim. Jeder dritte wird weder von Familienangehörigen noch von Freunden oder Bekannten besucht.

Grimme-Preisträger Wolfram Seeger („Dornröschen – Zwei Kinder erwachen aus dem Koma“) hat im Sommer 1997 das Städtische Seniorenzentrum in Köln-Riehl besucht, dort zunächst mehrere Wochen lang als Helfer das Vertrauen der Heimbewohner gefunden und danach mit der Kamera ihren Alltag beobachtet. Die Gleichförmigkeit des Tagesablaufs, das Warten, die Mühseligkeit der täglichen Verrichtungen werden ebenso geduldig beschrieben wie die Pflichten und die Anspannung des Pflegepersonals. Fünf Menschen erzählen im Rückblick von ihrem Leben und davon, wie sie den Aufenthalt im Heim empfinden. Altersmüdigkeit und Bitterkeit erleben wir ebenso wie die rüstige Erinnerung an ein reiches Leben verbunden mit der Freude über Enkel und Urenkel und das demütige Akzeptieren des Alters und das Alleinsein. Das Leben im Altenheim und das Warten auf den Tod wird am Beispiel dieser fünf Menschen so beschrieben wie es ist – unbeschönigt und ohne Sentimentalität.

Redaktion: Gert Monheim / Reinhard Wulf

 

kkkk

 


 

„Der Dokumentarist Wolfram Seeger ist ein Meister der behutsamen Beobachtungen. Für einen Film über zwei Kinder, die aus dem Koma erwachen, erhielt er einen Adolf Grimme Preis, sein filmischer Blick auf Dauercamper überzeugte. Diesmal begibt sich Seeger in ein Kölner Seniorenzentrum. Seine Dokumentation zeigt das Leben der alten Menschen ohne Beschönigung, aber auch ohne Anklage. …“

Der Spiegel

 

Lebenshaltungen und Erfahrungen

„… Im Sommer 1997 arbeitete Seeger mehrere Wochen lang als Helfer im städtischen Seniorenzentrum Köln-Riehl, um das Vertrauen der Heimbewohner zu gewinnen, bevor er einen Film über sie drehte. …

Seegers Visite ist weder eine abgeklärt-distanzierte Reportage über das Elend des Alters noch sentimentaler Sozialkitsch, sondern ein sensibler, unkommentierter Porträtfilm über den Herbst (und Winter) des Lebens. Seeger lässt nie den Respekt vermissen. In der Monotonie des Heimlebens wäre es leicht gewesen, die Bewohner als Schatten ihrer selbst vorzuführen, doch Seeger wahrt die Individualität und Würde von jedem seiner Gesprächspartner. …“

Bonner General-Anzeiger

 

Die Mühe der letzten Tage

… Fünf Heimbewohner hat Seeger ausgewählt um sie zu porträtieren. Fünf Menschen, die die Gleichförmigkeit ihrer Tage zwischen Verbitterung, Resignation, Demut und geschäftiger Rüstigkeit erleben. Ganz ohne Gefühlsduselei und ohne Larmoyanz , manchmal sogar mit einem Anflug makabren Humors. …

Nein, österlich unterhaltsam ist der Film wirklich nicht. Aber zutiefst bewegend in seiner melancholischen Gelassenheit.“

Süddeutsche Zeitung

 

Alltag im Altenheim

„… Der Autor hat, wie auch schon in seinem Dokumentarfilm „Dauercamper“, sichtlich das Vertrauen der Menschen gewonnen, die er filmt und zu ihrem Lebensgefühl befragt. „Altenheim“ ist ein unsentimentaler, aber dennoch einfühlsamer Bericht, der zum Nachdenken anregt.“

Frankfurter Rundschau

 

Er wird sie holen

„… So still, wie der Film begonnen hat, endet er auch. Es nimmt für Seeger ein, dass er nicht um Mitleid buhlt und kein Verstehen vortäuscht. Wenn seine Dokumentation für die Sache der Alten wirbt, dann nur durch die Aufrichtigkeit ihres Interesses und den ruhigen Ernst ihrer Bilder. Man kann unterhaltsamere Filme sehen an diesem Sonntag Abend. Einen warmherzigeren nicht.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

Das Leben hinter dem Park

„… Seeger verzichtet auf Kommentare. Er bringt seine Gesprächspartner behutsam zum Reden und vermittelt in langen Bildeinstellungen ohne Sentimentalität die Zwiesprache mit dem Zuschauer. …

Am Ende bleibt Nachdenklichkeit beim Zuschauer zurück. Nirgendwo zeigt sich der zunehmende Egoismus dieser Gesellschaft deutlicher als im Umgang mit den Alten und Gebrechlichen.“

Sächsische Zeitung

 

Momentaufnahmen aus einer verborgenen Welt

„… So nahe Seeger den alten Leuten auch in seinen sehr persönlichen Interviews und Beobachtungen kommt – nie lässt er dabei den Respekt vermissen. Er wahrt Individualität und Würde seiner Gesprächspartner. …“

Berliner Morgenpost

 

Schöne Schritte

„… Man kann diesen Film interpretieren als ein Plädoyer gegen die Segregation der Alten in Pflegeheimen, und man würde ihn so auch nicht missverstehen. Aber er ist mehr: eine Elegie in Gesichtern, die wie eng beschriftete Masken vor Mitteilungslust zittern. Dennoch sind sie verschlossen und starr, als hätten sie allzu oft erfahren, dass man ihre Geschichten missversteht, weil die Sprache, in der sie aus ihren Zügen blitzen, ausgestorben ist. Aber dann kommt Seegers Kamera hinein und dolmetscht.“

Die Zeit

 

Schon wieder Kaltschale

„… Ein still beobachtender Film also, mit einer beachtlichen Suggestivkraft, die sich natürlich auch von der Frage nährt, ob man selbst an einem solchen Ort alt werden und sterben möchte. Manches ahnt man mehr, als dass man es genau wüsste. …

Am Ende verlässt die Kamera dieses Haus und lässt uns noch einmal von außen einen Blick darauf werfen, auf Fassade und Fenster, während auf der Tonspur noch Alltagsgeräusche und die alten Schlager aus den Fluren nachklingen. Eine schöne Geste: Die Kamera tritt den Rückzug an und erinnert daran, dass wir nur Besucher in einer fremden Welt waren.“

epd medien

Wolfram Seeger Dokumentarfilme im Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten