11.Kaminsky.jpg

LebensLang

 

Unter den Folgen eines Tötungsdelikts leiden die mittelbar Betroffenen, die Angehörigen des Opfers, ein Leben lang. Wirklichen Trost kann es nicht geben.

Auch unter juristischen Aspekten gibt es kein Vergessen: ein Mord verjährt nie. Asservate werden bis zur rechtskräftigen Verurteilung aufgehoben.

Bei der Auswertung der Tatortspuren hat sich die neue Technik der DNA-Analytik mit ihren differenzierten Möglichkeiten als überaus hilfreich erwiesen. Hunderte von Mördern, die glaubten davongekommen zu sein, werden von ihren Taten eingeholt.

In langen und sehr persönlichen Gesprächen gibt der Film Auskunft über das Leben, das die Täter in der Zeit zwischen Tat und Verhaftung geführt haben.

Wurden sie von immer wiederkehrenden Albträumen geplagt oder hatten sie das lange zurückliegende Geschehen erfolgreich verdrängt und sich ein sanftes Ruhekissen aus Selbstrechtfertigung und Schuldabwehr gebastelt?

Ein Dokumentarfilm zum Thema Schuld und Sühne, ein tiefgründiges und facettenreiches Psychogramm seelischer Abgründe und Verletzungen.

Flyer 1

Flyer 2

Flyer 3


LebensLang –

Mord verjährt nicht
Ein Film von Wolfram Seeger

Unter den Folgen eines Tötungsdelikts leiden die mittelbar Betroffenen, die Angehörigen des Opfers, meist ein Leben lang. Wirklichen Trost kann es nicht geben. In vielen Fällen erlischt allmählich der Kontakt zu Freunden, Bekannten und Nachbarn, selbst der familiäre Zusammenhalt zerbricht. Auch die nachfolgende Generation wird unter dem Eindruck des traumatischen Geschehens stehen.

Auch unter juristischen Aspekten gibt es kein Vergessen: ein Mord verjährt nie. Die Asservate werden bis zur rechtskräftigen Verurteilung aufgehoben. Nicht selten arbeiten Ermittler ihr ganzes Berufsleben hartnäckig an der Aufklärung eines Falles. Dabei hat sich die neue Technik der DNA-Analytik mit ihren differenzierten Möglichkeiten als überaus hilfreich erwiesen. Hunderte von Mördern, die glaubten davongekommen zu sein, werden von ihren Taten eingeholt. „Lebenslänglich“ lautet in der Regel das Urteil am Ende eines Mordprozesses.

In seinem neuen Film konzentriert sich Wolfram Seeger, der sich bereits in einer ARD-Dokumentation mit den seelischen Folgeschäden von Verbrechen für die Opferseite beschäftigt hatte, vor allem auf die Täterseite. Zweieinhalb Jahre lang hat er Tötungsdelikte recherchiert, die 10, 15 oder 20 Jahren nach der Tat durch die Auswertung von DNA-Proben doch noch aufgeklärt werden konnten.

Fall 1: Ein mehrfach vorbestrafter Vergewaltiger aus dem Siegerland wird wegen Ermordung einer 15jährigen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Der Vater zweier Kinder hatte immer wieder Mädchen nach der Disco im Auto mitgenommen, mit einem Messer bedroht und zu sexuellen Handlungen gezwungen. Erst im Prozess gab er zu, die Ermordete am Tag der Tat vergewaltigt zu haben. Danach habe er sie nach Hause gebracht, mit dem Mord habe er aber nichts zu tun.

Fall 2: 2005 wird ein 33jähriger Paderborner, der wegen verschiedener Straftaten bereits eine längere Haftstrafe verbüßte, erneut verurteilt. Er soll 1993 eine Frau umgebracht haben, indem er sie mit ihrem eigenen PKW überfuhr. Bis heute bestreitet er vehement, der Täter gewesen zu sein. Für die winzigen Blutstropfen, die im PKW an der Jacke des Opfers gefunden wurden und die mit seiner DNA identisch sind, hat er aber keine plausible Erklärung.

Fall 3: Jürgen K., 41, ist seit seinem 16. Lebensjahr eingesperrt. Lediglich 1989 befand er sich für ein Jahr in Freiheit. Wegen versuchten Mordes an einer Prostituierten kam er erneut hinter Gitter. Erst später stellte sich heraus, dass er seinerzeit auch eine Studentin vergewaltigt und erschlagen und diese Tat zehn Jahre lang seiner Umwelt und seinen Therapeuten gegenüber verheimlicht hatte.

Der Film interessiert sich weniger für die kriminalistischen Aspekte der Verbrechen. Vielmehr geben die Verurteilten, Ex-Frauen, Staatsanwälte und Kripobeamten in langen und sehr persönlichen Gesprächen Auskunft über das Leben, das die Täter in der Zeit zwischen Tat und Verhaftung geführt haben. Wurden sie von wiederkehrenden Albträumen geplagt und hatten sie Angst, infolge der Fortschritte in der DNA-Analytik doch noch gefasst zu werden? Oder hatten sie das lange zurückliegende Geschehen erfolgreich verdrängt und sich in einem Konstrukt aus Selbstrechtfertigung und Schuldabwehr eingerichtet? Wie sind die Familien, insbesondere die Kinder, mit der Verhaftung fertig geworden und damit, dass sie später in der Verhandlung und aus dem Lokalblatt erfahren mussten, dass der geliebte und liebende Vater ein Sexmörder ist, ein „Monster“, eine „Bestie“? Kann man von einem Außenstehenden überhaupt Ver-ständnis dafür erwarten, dass sich Angehörige in so einem Fall nicht umgehend vom Täter lossagen, sondern in einem langen, quälenden Prozess zwischen Zuneigung und Abwehr hin- und hergerissen werden?

Wolfram Seeger hört zu, beobachtet und versucht zu verstehen. Sein Film richtet nicht über Schuld und Unschuld. Vielmehr zeigt er das Ungeheuerliche in seiner ganzen Ambivalenz: die Konfrontation von Tätern und Angehörigen mit der Tat, das Verdrängen der Tat bzw. das fortwährende Kreisen um eine unauslöschbare Erinnerung, den Willen zur Buße und zum Neubeginn und den Zweifel daran, den Wunsch der zerstörten Familie des Täters nach Distanz und zugleich die psychische Präsenz des Vaters und Ehemannes, von der freizukommen unmöglich ist – ein tiefgründiges und facettenreiches Psychogramm seelischer Abgründe und Verletzungen.

 

Flyer LebensLang WDR Wiederholung 23.5.2013

2007-08-11 Ankuendigung_DNA_0,5MB

 

 

Wolfram Seeger Dokumentarfilme im Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten